Peter Bosch: Eine kleine Geschichte über die Liebe

Jugend/Kunstbuch

Albatross Verlag
Wien 2014

Cover: Peter BoschDa werden Eselsohren nicht nur beim Ohr, sondern auch beim Wort genommen. Da erleuchten Stachelballons zwei neugierigen jungen Menschen den Weg zu einer besonderen Lichtung. Da kocht man geheimnisvolle Süßigkeiten, Mantzen genannt, und verspeist sie gemeinsam. Da hilft (vielleicht) ein Gefühlsprofessor beim Entwirren der allzu heftigen Emotionen.

In Eine kleine Geschichte über die Liebe betrachtet Peter Bosch den Begriff „Esel“, gleich einem Strukturalisten, von allen möglichen Seiten. Denn es geht ums Lesen, aber auch um Eselsohren und um Lesezeichen, um das eselhaft Störrische im Menschen und um ein Eselohrenfest, das jedes Jahr in der Mitte einer magischen Insel statt findet.  Und zwar nicht nur mit den grauen Tieren sondern auch mit vielen Büchern und Märchen.

Ist Eine kleine Geschichte über die Liebe ein Kinderbuch? Ein Jugendbuch? Ein Bildband? Oder doch ein Kunstbuch? Ähnlich gekonnt wie der Autor seine Herangehensweisen an den Stoff wechselt, der Text zwischen strukturalistischen und klassisch erzählenden Ebenen changiert, bleibt auch die Form uneindeutig, lässt sich das Buch keinem Genre zuordnen. Und das ist gut so.

Drei Kunstsparten werden verwoben zu einer neuen: Während der literarische Text reale und phantastische Elementen zusammen führt, illustriert Alexandra Bolzer die Erzählung kunstvoll mit collageartigen Bildern, deren Beschaffenheit Peter Boschs Erzähltechnik gekonnt spiegeln.

Auch die Typographie (Nele Focke) ist hier nicht nur Beiwerk. Vielmehr bezieht sie sich in ihrer Machart direkt auf die Illustrationen und den Text, sodass eine neue Form literarisch-visueller Sprache entstehen kann. Gekrönt wird das alles noch von einem Mantzen-Rezept, das der Lesende vor, bei, während und/oder nach dem Lesen für sich selbst testen und bewerten kann.

Der Inhalt ist leicht erzählt: Sandro und Sanja besuchen ein Feriencamp auf einer magischen Insel, die sich – natürlich – Le Sél nennt, und auf der es kaum Erwachsene gibt. Köchin Selma und der verrückte Gefühlsprofessor leisten den Kindern, die zunächst nicht recht wissen, ob sie einander mögen sollen – Sandro macht immer Eselsohren in Bücher, was Sanja zur Raserei bringt, und außerdem liebt er Mantzen, während Sanja schon beim Geruch dieser Törtchen schlecht wird – Gesellschaft.

Und natürlich gibt es auch noch die Stachelballons, die auf die Kinder aufpassen und sie an eine verzauberte Lichtung in der Mitte der Insel führen: Dort treffen sich Bücher und Esel mit und ohne Eselsohren zum alljährlichen Eselohrfest. Am Ende merken die Figuren, dass es ohne Liebe nicht geht. Nicht einmal für einen Stachelballon. Und das, obwohl die Liebe manchmal doch auch weh tut.

Liebe steckt jedenfalls auch in dem künstlerischen Umgang mit dem Material, das sich in diesem Buch entfalten und zu Wort und Bild kommen darf. Ein gelungenes Esel- und Leseerlebnis für groß und klein.

Sophie Reyer