Lucas Cejpek / Christoph Hauri: Kannen Fangen

Ein Skizzenbuch

Edition Das Fröhliche Wohnzimmer, Wien 2003
Reviewed by  | 21 July 2003

Lucas Cejpek kennen wir als einen Autor, der die gelungene Verknüpfung aus präziser, beinahe archivarischer Arbeit und poetischen, unerwarteten Kipp-Punkten im Textlauf schafft. Fast alle seine Bücher sind so konzipiert. Sachlich, trocken, beinahe wissenschaftlich zum einen, blumig, unverhohlen zum anderen. Diese poetischen Schnappschüsse kommen unverhofft und werden meist sparsam eingesetzt.

In seiner neuesten Publikation, die Cejpek gemeinsam mit dem Zeichner Christoph Hauri veröffentlichte, gelingt es ihm einmal mehr, allerdings sinnlicher als zuvor, diese beiden Qualitäten zu verschränken. Was dabei herauskommt, ist eine gelungene und sehr lebendige Synthese aus enzyklopädischen oder pseudo-enzyklopädischen Materialien, also konzisen tatsächlichen oder aber auch fiktiven Recherchen zur Kulturgeschichte von Kannen. Der Autor verstreut seine poetischen Kannenrituale gleichsam anekdotisch über den Globus. Schräges, Absurdes, aber auch Glaubhaftes begegnet uns da.
Etwa: „Eine Gießkanne oder Flasche vor der Wohnungstür ist ein sicheres Zeichen für sexuelle Abstinenz.“

Was nun Faktum und was erfunden ist, kann nicht immer eruiert werden, aber gerade das macht den Reiz dieses Buches aus. Vorausgesetzt freilich, die Leser lassen sich auch auf diesen schönen Ab- und Austausch von „Wahrheit“ und „Lüge“ ein.

Schwungvoll und in rhythmischer Korrespondenz die Zeichnungen Christoph Hauris. Ein erfrischendes, geistreiches Buch.

Petra Ganglbauer

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