Semier Insayif: über gänge verkörpert

Haymon Verlag
Innsbruck 2001

Ansprechend im Hinblick auf Konzeption, Partitur, Aufbau.
Durchwirkt von Zitatmaterial, das Anlaß für weitere Überlegungen ist.

Die Gedichte des Autors Semier Insayif wissen von genauer Wahrnehmung zu berichten, von Bewegung, den damit verbundenen Abläufen, Strukturen, Standorten, genauer noch, sie sind deren analoge Übersetzung, Entsprechung.

Der Autor setzt die Sprache in Szene, sie ist dann Bewegung und Verlauf, ist Innehalten, Körper. Demgemäß fällt die Inszenierung aus, verschaffen sich die Inhalte Position, etwa, wenn sich „ein-gang-aus-gang“ horizontal daherschreibt.

Onomatopoetisch muten die Zeilen an, je nach Bewegungsduktus, einmal heller, leichtfüßiger, dann wieder dunkler, massiv.

Die Materialität der Sprache und jene des Körpers gehen ineinander über, finden eine gemeinsame Strukturierung.

Insayif besinnt sich präzise auf das Einzelwort und dessen Aktionsradius, um es letztlich der Textarchitektur einzugliedern.

Ein sprachsensibles Unterfangen!

Petra Ganglbauer

Manfred Chobot: Maui fängt die Sonne

Mythen aus Hawaii

Deuticke Verlag
Wien 2001

cover_chobot_deutickeEin Buch voll der wundersamsten Geschichten hat Manfred Chobot da geschrieben und zusammengestellt. Der Autor, selbst seit Jahren begeisterter Hawaii-Reisender, folgte den Spuren hawaiianischer Mythen und sponn daraus unprätentiös gestaltete und ebenso poetische Legenden. Namen von Königen und (Halb-) Gottheiten dringen an unser Ohr, – Dämonen, Gesichter, Landschaften, Szenen, die uns bislang fremd waren und nunmehr von Geschichte zu Geschichte näher rücken, ziehen an unserem inneren Auge vorbei.

Der Autor schafft es, nicht nur für die weit in die Geschichte Hawaiis zurückreichenden Mythen zu interessieren, man gewinnt sie im Laufe der Lektüre regelrecht lieb. Es entsteht eine eigenartige Verbindung, eine Vertrautheit mit den Figuren und den rätselhaften Ereignissen.

Und das ist das Schöne daran: Daß sich ein Kulturkreis erschließt, der zumindest hierzulande literarisch so nicht ausgelotet ist. Dem Autor und seiner Passion für diese Inselwelt sei Dank. Zudem schrieb Chobot einen aufschlußreichen Einleitungstext über Geschichte und Alltagsästhetik, Religion und Sprache Hawaiis.

Allein der Klang, die Musikalität der Namen (Pele, die Göttin des Feuers, Poliahu, die Schneegöttin oder Palila, der Sohn des Königs Ka-lua), ist schon die Lektüre wert.

Petra Ganglbauer