Martin G. Wanko: KEN. A CRIME STORY

edition kürbis
Wies 2002

Einerseits „a crime story“ – mit vielem was dazugehört –, andererseits alles, was sich an den Kipp-Punkten der menschlichen Existenz bewegt: Um Randgänge physischer wie psychischer Art, das Oszillieren zwischen Tag- und Traumbewußtsein, Authentizität und Künstlichkeit wie auch den Kampf um’s Überleben, geht es in diesem ersten Roman des Grazer Autors Martin G.Wanko.

Der Duktus sucht seinesgleichen: Der Protagonist – in wahnsinnigen Empfindungsräumen an der Grenze zur Paranoia unterwegs, – der tote Ken, eine Plastikpuppe, ein Mix aus Trash, Drogenrausch und elementarer Identität.
Dies alles packt Wanko derart brachial und authentisch an, dass die Sprache, stets laut, schrill und direkt, auf einem derart ungeahnt hohen Pegel daherkommen muß, dass man als Leserin, wohl aus der Gewohnheit des Auf und Ab, beinahe einen Absturz fürchtet.

Aber, der kommt nicht.
Statt dessen:
Der wunderbar unprätentiös poetische Satz gegen Ende des Buches:
„Ein Träne, ich spüre so etwas wie eine Träne.“

Denn unter all der Schrägheit wohnt ein empfindsames Bewußtsein, das Wissen um das Dilemma menschlicher Existenz.
Ein spannendes, die Leserschaft in seiner Dichte forderndes Buch!

Petra Ganglbauer

Friedl/Hahn/Janisch/Neuwirth/Silberbauer: Tarot Suite

Roman

Deuticke
Wien-Frankfurt am Main 2001

Literatur ist stets das Zusammenwirken von Disziplinierung und spielerischem Umgang, Struktur und Intuition.
In diesem Sinne entstand auch der vorliegende Roman: Insgesamt fünf Autor/inn/en trafen sich, um sich mit der großen Arkana aus dem Tarot auseinanderzusetzen: Jede/r von ihnen zog eine Karte. 5 Abende folgten, mit Essen und je einer Geschichte, die stets eine andere Person erzählte.
Auflage war, thematisch die gezogene Karte zu behandeln und an Motive, bzw. Charaktere anzuknüpfen, beziehungsweise diese zu unterwandern oder zu unterbrechen; Konvergenzen und/oder Divergenzen zu schaffen.
Dem musikalischen Muster entsprechend, setzt sich die vorliegende „Suite“ aus 5 Sätzen zusammen:
Harald Friedl zog als erster: die „Gerechigkeit“; Norbert Silberbauer folgte mit dem „Einsiedler“; Margit Hahn schrieb den „Tod“; Barbara Neuwirth setzte sich mit dem „Wagen“ auseinander; Heinz Janisch beendete den Reigen mit der „Mäßigung“.

Was entstand, ist ein schön gesponnener Erzählfaden, nuanciert je nach Autor/in und Schreibduktus, bisweilen lauter, mit Zäsuren versehen, dann wieder zarter in der Stimmführung, grundsätzlich aber von einer gewissen stilistischen Übereinkunft:
Ein unterhaltsames und spannendes Gemeinschaftsprojekt – wie auch ein achtsam komponierter Lesegenuss, der sich als Anregung für ähnliche Experimente eignet.

Petra Ganglbauer