Eva Jancak: Die Vier tage buch frau

www.jancak.at
Wien 2002

Eine auf mehreren Ebenen stattfindende Zusammenschau, die innerseelische wie gesellschaftliche Prozesse aufgreift, hat Eva Jancak unter dem Titel „Die Vier tage buch frau“ zu Prosa zusammengefaßt. Gegenstand der Beleuchtung ist die Zeit der ersten hundert Tage des Jahres 2000, einer Phase der innenpolitischen wie außenpolitischen Veränderungen in Österreich.

Da gibt es etwa die PR-Assistentin Luzie F., eine Klientin der ICH-Erzählerin, die ihrerseits eine psychotherapeutische Praxis betreibt. Luzie benutzt vier verschiedene Tagebücher, die durchaus symbolischen Charakter haben: ein blaues, ein schwarzes, ein rotes und ein grünes. Jedes von ihnen ruft eine andere Empfindung in der Benutzerin hervor. Das blaue Tagebuch Aggression. Das grüne Hoffnung. Über diese ihre Empfindungen spricht sie mit ihrer Therapeutin.
Auch ein Nachbarschaftszentrum spielt eine brisante Rolle, weil es soziale Strukturveränderungen aufzeigt. Symbolisch fungiert es als Ort der Orientierungslosen.
Da kommt es zu diversen Begegnungen und Geschehnissen. Martha Müller etwa taucht auf, eine Schriftstellerin, die während eines Aufenthaltes in New York das Leben der Obdachlosen erforscht. Bald gerät auch sie in Österreich in dieselbe Lage. Und folgerichtig ist auch die Protagonistin ihres Romans Felicitas Fee, namen- und obdachlos. Doch das ist noch nicht alles … Das Leben ändert sich gemeinhin …

Das Buch ist kurzweilig und originell, weil es zwischen innergesellschaftlicher Realität und Symbolik hin und herwechselt. Eine lebendige, subjektive Bestandsaufnahme.

Petra Ganglbauer

Margret Kreidl: Laute Paare

Szenen Bilder Listen
Buch mit CD

Edition Korrespondenzen
Wien 2002

Ein vor allem auch konzeptuell interessantes Buch ist das voliegende, welches eine CD (die Autorin liest die Texte) enthält.
Margret Kreidl schließt an jene kühle Ästhetik an, die Teile ihrer bisherigen szenischen Texte ausmacht, aber auch an jene Kitsch- und Volkstümelei-Inszenierungen, welche die Autorin immer wieder mit großem Impetus vornimmt. Der Inhalt dieses Buches: Sexualität, Geilheit, Einsamkeit, Verletzbarkeit, – mitunter äußerst grell und grotesk dargestellt.

Eingangs ein „verfahrenstechnischer“ Hinweis, der bereits auf jene seriellen, permutativen Methoden verweist, die in mehreren Sequenzen folgen. Beinahe chromatisch ist diese Arbeit, spielen doch der Klang der Farben wie ihre Plazierung eine ganz besondere Rolle. Onomatopoetische Kunstgriffe, wie insgesamt eine konsequent durchgezogene Kombinatorik, halten die Texte in Form und Spannung, jeden für sich wie auch untereinander.
Die „Kammerspiele“ leben von der Dramatisierung durch Bewegung und Handlung, die Gesten sind laut, schreiend mitunter.
„Er und Sie“ etwa, eine Sequenz, die sich auch mehrmals wiederholt, lebt von einer vegetabilen Metaphorik, die den Gefühlen starken Ausdruck verleiht. Wie überhaupt Erotik, Leidenschaft, Geilheit in diesem Buch noch durch andere Beschreibungsmechanismen als jene einer Sprache der Pornografie dargestellt werden; ich denke da etwa an „Süsses Paradies“, ein opulentes, fast körperliches Aufgebot an Mehlspeisen und Schleckereien. Vorsicht!

Petra Ganglbauer