Rudolf Hochwarter: immer wieder taucht ein cowboy auf

Politische Markierungen

edition lex liszt
Oberwart 2019

Layout 1In seinem aktuellen Buch, das Lyrik wie auch Kurzprosa und Collagen enthält, nimmt sich Rudolf Hochwarter, dessen Zugang zur (politischen) Wirklichkeit stets ein kritischer, pointierter, subtiler ist, –  trotz aller Feinsinnigkeit – im besten Sinn kein Blatt vor den Mund.

Irgendwann muss auch der Autor, die Autorin zu härteren inhaltlichen und formalen Maßnahmen greifen, sonst wird er, angesichts der Abstumpfungsmechanismen  in der Gesellschaft nicht mehr verstanden. Heutzutage muss man schreien, grelle Bilder schaffen, in die Tasten hauen! Das tut der Autor mithin und er trifft.  Nicht nur uns als von der zeitgenössischen oder besser ewig gestrigen Politik frustrierte Lesende, sondern er trifft auch die angesprochenen Themen in ihrem Kern.

Dennoch greift er nicht selten zum Sprachspiel, zu chromatischen, metaphorischen oder auch lakonischen Methoden. Oft spielt er mit wenigen Worte „MACHT macht MACHT“ oder Diminutiven (Verniedlichungen): „weiberl und manderl / halten sich am handerl…“, mit Konkreter Poesie: „zackzackzack“, mit Farbe (blau) oder auch mit einem regelrecht drohendem Gestus, der konkrete politische Ansager in Österreich spiegelt.

Ein mutiges Buch, das kongenial mit den Arbeiten der bildenden Künstler Wolfgang Horwarth, Erich Novoszel und Kurt Pieber sowie Grafiken / Collagen von Karl Guttmann korrespondiert.

Petra Ganglbauer

Erika Wimmer Mazohl: Orte sind

edition laurin
Innsbruck 2019

erika wimmer cover Erika Wimmers Gedichte schlagen ein wie Kometen. Das ist an dieser Stelle ausschließlich positiv gemeint, sie sind aufgeladen, poetisch und kommen mit einer Wucht daher, der man sich nicht entziehen kann. Avancierte, rhythmisierte Gedichte sind das, die auch politische, gesellschaftliche Themen aufgreifen aber alles Andere als plakativ sind. Im richtigen Augenblick entziehen sie sich der Materialität der Alltagswirklichkeit und werden wortwörtlich abstrakt.
Es gibt auch Gedichte, die auf Reiseerfahrungen fußen: „Indien hier“.
Der Band ist zudem in mehrere Kapitel gegliedert.
Repetitionen ritualisieren die Gedichte, die sohin zu Gesängen werden, zu Zorn–, Trauer oder auch Stillegesängen: das Kapitel „echoräume“ ist übrigens Georg Trakl gewidmet.

Formal spannt sich der Bogen von sperrigen, etwa mit Schrägstrichen ausgestatteten und breit gebauten Texten (Ostia Antica: „sieht grob behauene Blöcke / und die Straßen aus Stein“) bis hin zu fragilen, teilweise durch Lautpoesie untermalten Gedichten: „der klang des schlagbaums“, „der klang des skalpells“, beide knallharte Auseinandersetzungen mit Gewalt – oder aber auch „der klang des papiers“ – allesamt Gedichte, die Teil eines Zyklus in diesem Buch und demgemäß nummeriert sind.

Erika Wimmers Gedichte erzeugen einen Sog, einen Sturm, in den man gerät sobald man die erste Seite des Buchs aufschlägt!

Petra Ganglbauer