Lucas Cejpek / Christoph Hauri: Kannen Fangen

Ein Skizzenbuch

Edition Das Fröhliche Wohnzimmer
Wien 2003

Lucas Cejpek kennen wir als einen Autor, der die gelungene Verknüpfung aus präziser, beinahe archivarischer Arbeit und poetischen, unerwarteten Kipp-Punkten im Textlauf schafft. Fast alle seine Bücher sind so konzipiert. Sachlich, trocken, beinahe wissenschaftlich zum einen, blumig, unverhohlen zum anderen. Diese poetischen Schnappschüsse kommen unverhofft und werden meist sparsam eingesetzt.

In seiner neuesten Publikation, die Cejpek gemeinsam mit dem Zeichner Christoph Hauri veröffentlichte, gelingt es ihm einmal mehr, allerdings sinnlicher als zuvor, diese beiden Qualitäten zu verschränken. Was dabei herauskommt, ist eine gelungene und sehr lebendige Synthese aus enzyklopädischen oder pseudo-enzyklopädischen Materialien, also konzisen tatsächlichen oder aber auch fiktiven Recherchen zur Kulturgeschichte von Kannen. Der Autor verstreut seine poetischen Kannenrituale gleichsam anekdotisch über den Globus. Schräges, Absurdes, aber auch Glaubhaftes begegnet uns da.
Etwa: „Eine Gießkanne oder Flasche vor der Wohnungstür ist ein sicheres Zeichen für sexuelle Abstinenz.“

Was nun Faktum und was erfunden ist, kann nicht immer eruiert werden, aber gerade das macht den Reiz dieses Buches aus. Vorausgesetzt freilich, die Leser lassen sich auch auf diesen schönen Ab- und Austausch von „Wahrheit“ und „Lüge“ ein.

Schwungvoll und in rhythmischer Korrespondenz die Zeichnungen Christoph Hauris. Ein erfrischendes, geistreiches Buch.

Petra Ganglbauer

Bodo Hell: Ariadne im Garn. Ria nackt.

Eine Racheoper von Renald Deppe, Bodo Hell und Othmar Schmiderer. Mit Textbeiträgen von Leo Dorner, Bodo Hell, Markus Kupferblum, Friederike Mayröcker und Christiane Zintzen, Interview Elfriede Irrall mit Bodo Hell.

Triton Verlag
Wien 2002

Auf die Höhe der Zeit gebrachte Auseinandersetzungen mit traditionellen Stoffen (aus Opern) sind reizvoll. So auch der Inhalt des vorliegenden Bandes, der seinerseits aufwendig produziert und ausnehmend attraktiv gestaltet ist und dessen Herausgabe auf die Uraufführung von „RIA NACKT – Ariadne im Garn. Eine Racheoper (Musik-Text-Film-Bühnenstück).“ anlässlich des NÖ-Donaufestivals 2002 zurückzuführen ist.

Das Buch bietet eine spannende Zusammenschau aus kulturhistorischen Bezügen wie: Rezeptionsgeschichte des Ariadne-Stoffes oder die Entwicklungsgeschichte von Commedia dell’Arte und Oper wie auch Untersuchungen von Mythenrezeption und -bildung in der Welt der Neuen Medien: Mythen als stete Projektionsfläche menschlicher Auseinandersetzung mit den Ur-themen des Lebens. Und: Ihre Positionierung in der heutigen Zeit.

Vorab spielerisch leicht, humorvoll und bewusst manieriert Bodo Hells Libretto. Autograph. Poetische Partitur. In schöner Ergänzung dazu eine Textstelle aus Larifari, einem frühen Buch Friederike Mayröckers.
Ein intensives Gespräch zwischen Elfriede Irrall und Bodo Hell gibt u.a. Aufschluss über die Genese des Librettos wie diverse Arbeitsmethoden.
Beim Blättern wiederum bleibt das Auge an den Abbildungen hängen, etwa an dem inszenatorischen Sog der „Stills“.

Aber das ist noch nicht alles.

Petra Ganglbauer