Bernadette Schiefer: Kleine Erzählungen am Rande

TRITON Verlag
Wien 2003

Schon das Foto deutet den Kern der vorliegenden Erzählungen an: Kleine unspektakuläre Gesten des Fortgehens und Wiederkehrens, des Weitergehens und Abweichens, des Schweigens und des leisen Sprechens. Sie erzählen vom Leben, von der Liebe, vom Abschied, vom Schwanken.

Die Stimmführung ist eine bewusst zurückgenommene, Bernadette Schiefer erzählt, ohne jenen überlauten, schreienden Duktus anwenden zu müssen, der hinlänglich bekannt ist.

Da und dort jedoch, beispielsweise in „Sappho geht“ , kippt die Sprache jedoch; sie verlässt ihre Spur, ihre Funktion einer langsamen Begleiterin der Protagonist/inn/en und erregt sich selbst, indem sie in einen raschen Abtausch von Wörtern und Exklamationen verfällt. Ein durchaus spannendes Unterfangen!

Das Fragile wie die Flüchtigkeit sind insgesamt Wesenzüge dieser Sprache, ein Prinzip, das durch die wechselnden Topographien noch unterstrichen wird.

Nuancierungen, Grenzgänge und schließlich Bekenntnisse zum Leben, die aus einer einzigen Sicherheit entstehen, nämlich jener, welche die Potentialität von allem gewährt.

Petra Ganglbauer

Gerhard Kofler: Poesie di mare, terra e cielo / Poesie von Meer, Erde und Himmel

Italienisch – Deutsch

Wieser Verlag
Klagenfurt/Celovec 2003

Es ist die Ordnung, die in der vorliegenden Gedichtsammlung besticht, die Ordnung wie die Leichtfüßigkeit, mit der der Lyriker Gerhard Kofler seine poetischen Markierungen setzt. Dieser Band ist eine Ergänzung des im Jahre 2000 erschienenen Bandes „Poesie von Meer und Erde“, neu, angereichert und topografisch ergänzt durch den Empfindungsraum „Himmel“.

Wieder bezieht der Autor Mythen in seine Gedichte ein, etwa in „Rückkehr des Odysseus“, (Poem) oder „Orpheus“ (Poem), jenen streng formal ausgerichteten Zyklen, die im Laufe des Buches ( das – wie sein Vorgänger auch – so ansprechend und enigmatisch gestaltet ist, als ob es ein Geheimnis hüten wollte) auch jenen Kurzgedichten Raum geben, wie sie beispielsweise der Zyklus „Trilogie der Himmel“ enthält.

Bemerkenswert auch immer wieder jene Gedichttitel, die, ihrerseits Metaebenen, den jeweiligen Textkörper ergänzen, als wollte der Autor damit der Leserschaft Flügel wachsen lassen, damit diese besser abheben könne. Zum Beispiel: AUSBESSERUNG DER KRÄHEN oder WIEDERAUFNAHME ZUR WIEDERHOLUNG.

Streng voneinander unterschieden auch die Texturen und Traditionen, wie etwa die „Amerikanischen Fugen“ oder an anderer Stelle die „Sonette“, je nach Örtlichkeit, Zeit oder Bezugspunkt als Formduktus akribisch ausgewählt.

Kofler ist ein mehrsprachiger Lyriker, der sich rückgebunden weiß, an klassiche Vorbilder und Traditionen der Dichtkunst, um sich dort auf Zeit niederzulassen und letztlich zu sich selbst zurückzukehren, in einer Art Wiederantritt!

Petra Ganglbauer