Manfred Chobot: Mich piekst ein Ameisenbär

Weltgeschichten

Löcker Verlag
Wien 2013

Voll von trockenem Humor sind die „Weltgeschichten“ von Manfred Chobot.

Sie spiegeln auf gekonnt ironische und bewusst unaufdringliche Art den in Teilen schelmischen Blick auf menschliche Unzulänglichkeiten und Eigenheiten und sind zugleich eine treffende „Analyse“ der Auswüchse des Spätkapitalismus, der Bürokratie und des Medienzeitalters.

Unterhaltsam, humorvoll und spannend sind diese lakonisch erzählten lebensnahen Begebenheiten und Ereignisse, die ziemlich explizit, manchmal auch überhöht zutiefst menschlichen Schwächen aufdecken; ganz gleich, ob es sich nun um Geschichten, die infolge einer unterbrochenen Telefonleitung nicht fertig erzählt werden können, Zufallsbegegnungen, die eine eigenwillige Wende nehmen oder höchst seltsame Reisende handelt.

Ein in seinem Duktus typisches Chobot-Buch! Empfehlenswerte Erzählungen!

Petra Ganglbauer

Mike Markart: Dillingers Fluchtplan oder Karajan umzubringen war mir ein Bedürfnis

Erzählung

edition kürbis
Wies 2008

markart_dillingerAuf seine aus früheren Publikationen bekannte (und sich konsequent vertiefende) unnachahmlich perseverierende, sprachlich stringente Art vermittelt Mike Markart im vorliegenden Buch wieder einmal psychisch-mentale Grenzüberschreitungen bzw. erzählt vom Besetztwerden, Verrücktwerden.

Er schafft es, wie stets in seiner Prosa, den kopfinternen Kampf seiner Figuren auf einem Pegel zu halten, der knapp vor dem Zerreißen oder kurz vor einer möglichen Implosion angelegt ist, und diesen Bewusstseinszustand auch auszutarieren.

Durch die der Erzählung folgenden „Geheimen Aufzeichnungen“ und einen weiteren Anhang vermittelt der Autor den Eindruck, dass die Leserschaft gewissermaßen eingeweiht wird…

Heißer Lesetipp!

Petra Ganglbauer

Barbara Neuwirth: Das steinerne Schiff

Erzählungen

Literaturedition Niederösterreich
St. Pölten 2008

Bereits das Cover des vorliegenden Bandes vermittelt jene sphärische, ätherische Qualität, die auch schon frühere Bände der Autorin signalisierten:
Das Faszinierende an ihrer Arbeit ist, dass sie jene feinste Gratwanderung zwischen Tagbewusstsein und Phantasie nicht nur präzise sondern auch achtsam poetisierend zeichnet.

Ihre Erzählungen leben jedoch auch von einem Bezug zur augenscheinlich rationalen Seite des Lebens und der Dinge – diese spricht, auch wenn die Geschichten noch so alchemistisch anmuten, stets mit.

Rückbindend und unausgesetzt wirken die landschaftlichen Besonderheiten zwischen den Flüssen Donau und Thaya und verleihen den Erzählungen im vorliegenden Band auch diese unnachahmliche Schwingung.
Das Buch versammelt nebst neuem Textmaterial auch Erzählungen, die – teilweise – in abgewandelten Versionen bereits woanders publiziert wurden.

Schön, wieder etwas von Barbara Neuwirth lesen zu dürfen!

Petra Ganglbauer

Bernadette Schiefer: Kleine Erzählungen am Rande

TRITON Verlag
Wien 2003

Schon das Foto deutet den Kern der vorliegenden Erzählungen an: Kleine unspektakuläre Gesten des Fortgehens und Wiederkehrens, des Weitergehens und Abweichens, des Schweigens und des leisen Sprechens. Sie erzählen vom Leben, von der Liebe, vom Abschied, vom Schwanken.

Die Stimmführung ist eine bewusst zurückgenommene, Bernadette Schiefer erzählt, ohne jenen überlauten, schreienden Duktus anwenden zu müssen, der hinlänglich bekannt ist.

Da und dort jedoch, beispielsweise in „Sappho geht“ , kippt die Sprache jedoch; sie verlässt ihre Spur, ihre Funktion einer langsamen Begleiterin der Protagonist/inn/en und erregt sich selbst, indem sie in einen raschen Abtausch von Wörtern und Exklamationen verfällt. Ein durchaus spannendes Unterfangen!

Das Fragile wie die Flüchtigkeit sind insgesamt Wesenzüge dieser Sprache, ein Prinzip, das durch die wechselnden Topographien noch unterstrichen wird.

Nuancierungen, Grenzgänge und schließlich Bekenntnisse zum Leben, die aus einer einzigen Sicherheit entstehen, nämlich jener, welche die Potentialität von allem gewährt.

Petra Ganglbauer