Dieter Sperl: Random Walker

Filmtagebuch

Ritter Verlag
Klagenfurt-Wien 2005

Ein murmelnder, flüsternder Gestus, der einen Sog erzeugt, mithin durch die unzähligen Wiederholungssequenzen. Wort-Spuren, die sich ihrer selbst rückversichern müssen, als glaubten sie an ihre Existenz noch (!) nicht; Stimmen, die sich selbst noch einmal hören müssen, als fürchteten sie das Gefühlte sonst zu vergessen.

Dieter Sperl besuchte Filme, – wir erinnern den einen oder anderen. Er machte sich – während diese liefen –, Notizen und ließ ES sich nachfolgend weiterschreiben.
Das Unterbewusstsein verleibte sich das Erlebte ein, durchdrang es, maß es, wog es und schickte es zurück, als ein anderes und doch wiederkehrendes.
Der Autor überließ sich dem Einfluß von allem, wir lassen diesen lesend zu, wir öffnen uns, wir staunen.

Entstanden sind poetische Abdrücke, Muster, gehalten von zarten, strukturierenden, den Inhalt zeichnenden Linien.
Textil muten viele der Texte an, gewebt, gesponnen, geflochten, versponnen.

Es ist, als wären die Polaritäten aufgehoben, als fänden sich Nähe und Ferne, Hitze und Kälte, Zeit und Ort vereint oder einander durchwirkend, durchleuchtend in einem großen Traumgewebe.

Ein wunderbares Buch.

Petra Ganglbauer

Ilse Kilic: Vom Umgang mit den Personen

Eine Schöpfungsgeschichte

Ritter Verlag
Klagenfurt-Wien 2005

Eine Raffinesse zeichnet den jüngsten Band Ilse Kilics aus.
Eine Präzision und allem voran subtilster Humor.
Die Autorin sucht die Sprache selbst auf und zeitgleich Orte ihres Wirkens. Sie zeichnet den Inhalt jener Schreibanleitungsbücher nach, die unzähligen Schreibenden tagein, tagaus handwerkliche Basisorientierung bieten; Kilic persifliert diese Methoden zur Erstellung von Charakterprofilen, des Ausbaus von Dialogen oder des Umgangs mit dem Plot, um nur einige inhaltliche Brennpunkte zu nennen.

Sie sucht Projektionsflächen für ihre Untersuchungen bzw. Versuchsanordnungen aus den vielfältigsten Kontexten anderer Disziplinen, wie z.B. Physik, Historie oder auch Psychotherapie, und spiegelt den Paradigmenwechsel da wie dort.
Sie entwirft eine Kerngeschichte, anhand der sie höchst spielerisch Eigenschaften und Qualitäten der handelnden Personen untersucht.
Miteinbezogen in diese Auseinandersetzung werden auch die Leser/inn/en. Sie dürfen Aufgaben lösen!

Dergestalt ist dieses Buch poetisches Lehr- und Lernbuch und zugleich Experiment.
Das spezifische Gewicht der Hauptperson, um ein Beispiel zu nennen, wird hier wortwörtlich oder augenscheinlich physikalisch untersucht, deren Temperatur oder auch Zusammensetzung.

Besonders spannend ist jener Anriß, der Übertragung und Gegenübertragung als interagierendes Prinzip zwischen Autor/in und Person behandelt.

Das Buch ist zu empfehlen: unterhaltsam, geistreich, köstlich!

Petra Ganglbauer