Michaela Falkner: Kaltschweißattacken

Residenz Verlag
Salzburg 2009

In Michaela Falkners rasanter Prosa geht es um Existenzielles; um Beziehungsmuster zwischen Frau und Mann, um ein atypisches und deshalb umso aufgeworfeneres, aufwühlendes Mutterprofil. Gefühle fahren Achterbahn, der Körper signalisiert permanent den Gefühlspegel der Protagonistin.

Die Sprache geht mit, oder besser, verursacht das alles, denn in dieser Literatur wird die Verschränkung von Inhalt und Form noch einmal überholt, hier wird Form zum Inhalt.

Zwischen Entsetzen, Niedertracht, Gewalt, Anbetung und anderen extremen Empfindungen setzt sich ab und an der Fortgang einer Geschichte, einer Versessenheit.
Der Textkörper verengt sich bisweilen, als ob er den psychischen Druck noch erhöhen wollte, und erzeugt Beklemmung.

Bezeichnend auch der insistierende Duktus, Rhythmus – ein (Oberflächen) spannendes Buch, dem man sich schwer entziehen kann.

Petra Ganglbauer

Petra Ganglbauer: Die Überprüfung des Meeres

Edition Art Science
Wien und St. Wolfgang 2010

In ihrem neuen Lyrikband unternimmt Petra Ganglbauer eine konsequente Reduktion von Sprache, ohne diese auszudünnen. Ihr Texte sind kurz, prägnant und gleichzeitig sehr poetisch, in den jeweils wenigen Zeilen eines Gedichts springt eine Bildfülle auf, ein kleiner Wortkosmos, ein in sich schlüssiges Bild, aus unerwarteten Wörtern geformt: „Immer schon in Gang dieses Andere/Bild-Re-velation/Weiße Variante/ (Der Krieg ist unerreichbar) aus Wasser oder Glas/ Oder Schalldämpfer: das Bild kippt und wird real.“ (S.67)

Jedes der Bilder ist real, jedes Wort trägt seine Bedeutung ohne Verfremdung, erhält seine Nobilität in seinem Kontext: „Das Wort wird in die Zeit gepackt,“ (S.23). Die Zusammenhänge ergeben sich nicht vordergründig, sondern resultieren aus poesievollen Splittern, mit denen Weltsicht vermittelt wird.

„Der Zusammenhang der Bilder/Reflektiert den Rest./Des Lichts.“ (S. 63) Es entsteht eine große Dichte, eine faszinierende Konzentration, in den wenigen Zeilen eines Gedichts findet sich nichts Überflüssiges, kein Füllwort, nur die kleine Nennung der Dinge, für die Petra Ganglbauer auch zu eigenwilligen Wortzusammenhängen., Wortschöpfungen greift, um eine größere Präzision, eine perfekte Reduktion zu erreichen. Sie schreibt von „wasserbegonnenen Bildern“, einem „Schockhimmel“, von „wildfarbenen Serpentin“, von “Pixelschnee“ und „Zitterwasser“, Wörter, die, als Beschreibung, für sich stehen könnten und die in ihrem Kontext eine zusätzliche Farbe, Sinnlichkeit erhalten.

Petra Ganglbauer baut auch Kurz-Passagen in anderen Sprachen ein, zitatartig, und sie arbeitet mit grafischen Mitteln (Wortabstände, Kursivschrift, Satzzeichen, Klammern) und intensiviert dadurch noch die Struktur ihrer Gedichte. Daß jedes dieser kurzen Gedichte nicht nur seine Seite, sondern auch die gegenüberliegende (weiße) Seite zur Verfügung hat, sei dem Verlag hoch angerechnet.

Die Wörter, Wort-Bilder in Petra Ganglbauers Gedichten ergänzen sich, bauen sich auf, wenden sich auch gegeneinander, überraschend, unerwartet, und doch werden nie Brüche gebildet, sondern es entsteht eine lyrische, ins sich geschlossen „Montage“. „Eine solche Montage!/Braucht nur wenige Striche:/Wasser, Landschaft, Auge./Into the direction of day.“ (S. 63)

Man könnte dieses Gedicht auch als eine Art Programm für diesen Band lesen, in dem die Autorin mit ihrem so bewussten Umgang mit Sprache, durch die Beschränkung jedes Gedichts auf wenige Zeilen, Raum für intensive Poesie schafft.

Waltraud Seidlhofer

Gerhard Jaschke/Toni Kurz: rund um die grüne soße

Edition Thurnhof
Wien 2009

Ein kleines literarisches und visuelles Zeitdokument ist der vorliegende bibliophile Band mit Texten von Gerhard Jaschke und Offsetlithografien nach Fotos von Toni Kurz.

Das Buch lässt zwischen den Zeilen und von Bild zu Bild jene ganz eigene Atmosphäre durchscheinen, die so bezeichnend für „Buchmessenverhältnisse“ ist. Auch begegnen wir auf diesem Weg unter anderem noch einmal dem unvergesslichen Werner Herbst, einem/dem Weggefährten Gerhard Jaschkes.

Wie stets in seiner Arbeit, findet auch hier der sprachbewußte, vieldeutige Umgang mit Wörtern seinen Niederschlag, etwa an jener Stelle, bei der es um das glatte oder griffige „mailen“ geht.
Bezeichnend auch Widmungen und intertextuellen Bezüge, beispielsweise für und zu Gerhard Rühm oder Oskar Pastior; Dichter(-Namen), die zusätzliche Kontext- und Bedeutungsfelder eröffnen.

Gerhard Jaschkes Werk, diesmal in Form von literarischen Anrissen, Stücken gleich, die aus dem teigigen Getriebe der Frankfurter Buchmesse ausgestochen wurden.

Herzhaft lesens- und betrachtenswert!

Petra Ganglbauer