Monika Giller: Schwarzlicht

Erzählungen

Edition Art Science
Wien und St. Wolfgang 2011

Diese Erzählungen sind dicht gestrickte, emotional aufgeladene Stücke Wirklichkeit (oder fingierte Wirklichkeit). Sie packen zu.
Schon der Cover leuchtet in der Signalfarbe Rot, das Bild in seiner Mitte mutet wie eine Sinnestäuschung an: Einmal zieht es das Betrachter-Auge in die Tiefe, ein anderes Mal stülpt sich der Grund des Bildes aus, als ob er direkt ins Auge fahren wollte.

Monika Gillers Erzählungen bewegen sich tief in und an den Rändern der Wirklichkeit, befassen sich gleichermaßen mit Leidenschaft wie mit der Vergänglichkeit von allem. Sie fassen hinein ins Farbige, Bunte, in die Lebenslust und lassen zugleich etwas Anderes anklingen, etwas das weitaus fragiler ist, das alles auch irgendwie in Frage stellt.

Es sind Geschichten von Leben, Liebe, Abschied, manche ironisch gebrochen und doch insistierend; der Erzählstil ist oftmals ein kreisender; Giller wendet wiederholt Komposita, Assonanzen an, knüpft Worte an Worte, spinnt einige der Texte immer wieder in leichten Abwandlungen weiter.

„Der Staub liegt wie ein Sandstrand in den Zimmern.“, heißt es in einer der Erzählungen. Die Unausweichlichkeiten des Lebens liegen ganz dicht an den Träumen. Dies wahrzunehmen legt dieses Buch nahe.

Petra Ganglbauer

Lisa Spalt: Blüten

Ein Gebrauchsgegenstand

Czernin Verlag
Wien 2010

Mit diesem Buch unternimmt Spalt eine poetische, formal konzise, streng strukturierte Suchbewegung, ist Forschungsreisende in Sachen Kulturgeschichte. Schon der Titel spricht gezielt diese absurde gesteuerte Zusammenschau von Ätherischem und Marktcharakter an.

Wie auch bereits in anderen Texten (Essays) fokussiert die Autorin die Machbarkeit und Verwertbarkeit von Dingen/Waren, setzt sich mit Gewinnmaximierung, Zuordnungen, Kategorisierungen von Körper oder Natur (auch von Sprache) auseinander; der Warencharakter von Organischem wie Anorganischem – und somit auch gewissermaßen deren Gleichstellung – ist Gegenstand dieses Buchs.
Lisa Spalt zeichnet formal wie begrifflich die Überprüfung der Verwertbarkeit von allem nach. Begleitend und die jeweilige Sequenz eröffnend, finden sich botanisch-metaphorische Skizzen.

Den Ausgangsort für den Exkurs bilden die „krankhaften Auswüchse am Beispiel der holländischen Tulpenmanie zu Beginn des 17. Jahrhunderts…
Plötzlich wurden Tulpenzwiebeln statt Aktien gehandelt, Laien riskierten an Tulpenbörsen, die in den Hinterzimmern von Wirtshäusern eingerichtet worden waren, ihr Hab und Gut.“ (So der Verlagstext).

Eine konzeptuell wie sprachlich fordernde, in ihrer Nachdrücklichkeit und präzisen Aufarbeitung radikale Arbeit. Empfehlenswert!

Petra Ganglbauer

Christine Huber / Magdalena Knapp-Menzel: Durchwachte Nacht. Gedankenstrich.

Edition Art Science
Wien und St. Wolfgang 2010

Schön, dass sich zwei zeitgenössische österreichische Autorinnen der weißen Flecken, der Schweigelöcher in der Geschichte der Literatur von Frauen angenommen und gemeinsam diesen „überzeitlichen“ lyrischen Dialog zwischen Annette von Droste-Hülshoff, der bedeutenden deutschen Dichterin und der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson, deren Gedichte erst nach ihrem Tod gedruckt wurden, verfasst haben.
Angezettelt wurde das Projekt ehedem von Christine Huber, in Magdalena Knapp-Menzel fand sie schließlich eine kongeniale Partnerin für dieses Unterfangen.

Der soziale Stand der beiden Dichterinnen Annette von Droste-Hülshoff und Emily Dickinson war sehr ähnlich: beide waren unverheiratet, kinderlos und zumindest ohne offiziellen Liebhaber. Zudem waren sie eng verstrickt in ihren familiären Banden. Darüber hinaus schrieben sie unermüdlich. (Vgl. das Nachwort von Christine Huber)

Die vorliegenden Gedichte sprechen Ausrichtung und (Selbst)findung an, emotionale Bewegtheit, Haltung und die Beziehung zum Körper; sie sind bisweilen von großer Fragilität, als wollten sie die Verletzlichkeit weiblicher Schreibexistenz spiegeln; dann wieder entschieden, deutlich, stimmerhebend.
Es ist als ob die beiden Dichterinnen leibhaftig durch die Zeilen schimmerten, Christine Huber und Magdalena Knapp-Menzel gelingt es, einen eigenartigen Sog zu erzeugen, dessen Zeitzeugen wiederum wir sind.

Ans Herz gelegt!

Petra Ganglbauer