Andreas Unterweger: Du bist mein Meer

Novelle

Droschl Verlag
Graz 2010

Es beginnt alles mit dem Verlust eines Fotoapparats.
Dann folgt ein subtiles Spiel mit Innen- und Außenwahrnehmung, ein Schwenk der Zeiten; zwischen Involviertheit und kühler Distanz bewegen sich die Skizzen, Bildeinstellungen Andreas Unterwegers.
Seine Sprache, schmale Zeilen, unprätentiös und dennoch knisternd, Spannung erzeugend, lokalisiert sich zwischen den Ereignissen, dem Tun, dem Leben also und externen Einwürfen: Regieanweisungen.

Die ruhige poetische Kameraführung gestattet, dass trotz der vielen Wahrnehmungsswitches jede Gedanken- oder Bildeinstellung nachvollziehbar und miterlebbar wird.

Diese Arbeit lebt von der eigenwilligen Zusammenschau aus Ruhe und einer Art Dauerbewegung. Das Buch als Film.

Alles inszeniert sich zwischen den Zeilen, die wenigen Sätze setzen Akzente, die Leere dazwischen spricht und erzählt von der Liebe, auch von dieser.

Petra Ganglbauer

Christian Steinbacher: Winkschaden, abgesetzt

Gedichte und Stimmen

Czernin Verlag
Wien 2011

Aufreizend, tirilierend, ironisierend, – die Stimmführungen im neuen Buch von Christian Steinbacher umfassen diese Qualitäten und noch viel mehr.

Die Gedichte / Stimmen erzeugen ornamentale, irrwitzige, verstiegene, organische oder aber auch höchst artifizielle Blickfänge. Was da alles einverleibt und anverwandelt wird, lässt den Schluss zu, das im Alltag – dem allzu Menschlichen mithin – ebenso viel Zauberhaftes, Poetisches auszumachen ist wie in anderen, weit gefaßteren Kontexten.

Steinbachers Texte prägen sich exzessiv und durchaus lautstark – manchmal wie Posaunentöne – ein.
Es sind komplexe Gedankengebäude, die mittels Sprachspiel und poetischer Fertigkeit, den Ernst des Lebens und wohl auch dessen Unumgänglichkeit verkünden.

Petra Ganglbauer

Thomas Havlik: das auto voller wasser

Audio CD

edition zeitzoo, www.zeitzoo.at
Wien 2011

Dinge, Tiere, Maschinen, – die Elemente und deren akustische Abdrücke.
Die Arbeiten Thomas Havliks sind präzise Setzungen, die das Wabern und Murmeln, das Brodeln unter der Oberfläche der Wahrnehmung spürbar machen.

Es ist, als ob sich das Subjekt zurückzöge, auf einen entlegenen Aussichtspunkt und von dort aus den Stimmen ihren Lauf ließe. Es gibt diese Erzählinstanz gewiss, jedoch inszeniert sie sich nicht.

Die chorischen Vokal-Elemente muten wie Rückversicherungen, Verstärkungen dessen an, was Gegenstand der Tiefgänge ist. So stellt sich das Subjekt in den Dienst von allem.

„Aufgeackert“ in der Tat ist Havliks Sprache; sie wird angebrochen angedacht, ist voll von poetischer Aufladung.

Eine originelle, empfehlenswerte Audio-Arbeit.

Petra Ganglbauer