Sabine Gruber: Stillbach oder die Sehnsucht

Roman

Verlag C.H.Beck
München 2011

Sabine Grubers neuer Roman erzielt seine besondere Qualität aus dem Zusammenwirken von Geschichtsaufarbeitung, historischem Bewusstsein und einer besonderen Atmosphäre – die vor allem dann wirksam wird, wenn die Autorin akribische Naturschilderungen einsetzt, um innerseelische Prozesse zu spiegeln.

Dazwischen werden historische und persönliche Ereignisse situativ, topografisch oder aber auch erinnernd festgehalten. Besonders erwähnenswert sind die aufgeladenen Bewusstseinswiedergaben. Sie muten bisweilen synästhetisch an.
Der Roman lässt auch zu, das sich die Zeiten miteinander verschränken, Gegenwart und Vergangenheit miteinander da und dort (wie) verschmelzen.

Dicht erzählt die Autorin über die Geschichte Südtirols, die Resistenza und den deutsch-italienischen Faschismus.
Die Romansequenzen werden ergänzt durch ein ausführliches Glossar, das auch jenen Leser/inne/n dienlich ist, die mit den angesprochenen Kapiteln der Geschichte und deren Protagonisten nicht so vertraut sind.

Es geht aber auch um Liebe, Enttäuschung, Unterdrückung in einem ganz persönlichen Rahmen: Stillbach, ein fiktionales Dorf in Tirol fungiert dabei als Ausgangsort. Emma geht 1938 nach Rom, um als Zimmermädchen in einem Hotel zu arbeiten; sie heiratet schließlich dort ein. Ines, ebenfalls aus Stillbach, die 1978 in demselben Hotel in den Ferien jobt, schreibt Jahre später deren Geschichte nieder. Parallel oder auch immanent wird auch das politische Geschehen in Rom 1944 und 1978 aus der Sicht Emmas und Ines‘ aufgezeigt.
Clara, auch aus Stillbach und nach dem Tod von Ines nach Rom gereist, um deren Nachlass zu ordnen, findet dieses Manuskript, welches im übrigen einen wesentlichen Teil in Sabine Grubers Roman ausmacht; also eine Geschichte in der Geschichte ist.

Ein empfehlenswertes Buch!

Petra Ganglbauer

Helmuth Schönauer: After Hofer

Illustrationen von Bertram Haid

Edition BAES
Innsbruck 2010

Das vorliegende Buch subsumiert viele der gesellschaftskritischen Stimmerhebungen, die der Autor konsequent seit Jahren einsetzt.

Der Sandl-Wirt Handy After Hofer, Handreas Hofer (nunmehr Handy Hofer oder Oasch Hofer) wird in ein bewusst verballhorntes, entfremdetes, pervertiertes Regional-Setting (nördlich von Meran) gestellt, umrahmt von den Insignien der spätkapitalistischen Gesellschaft.

Das lakonische Buch verschränkt die Residuen eines bereits verkommenen und abnormen politischen Bewusstseins mit den Auswüchsen von Artensterben, Tourismus, Showgeschäft, Leistungssportmanie, Totalitarismus usw.

Spannend der sprachreflexive Zugang, der dem Text etwas Skurriles mithin Abstraktes verleiht.
Wo die Sprache – auf Zeit – aufhört, setzen die Illustrationen an; beide, Text und Bild, passen kongenial zueinander.

Petra Ganglbauer