Manfred Chobot: Gefallen gefällt

Edition Art Science
Wien-St. Wolfgang 2012

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Der vorliegende Band besteht, obgleich zu mehreren Zyklen zusammengefaßt, aus zwei Arten von Gedichten.

Zum einen sind kräftige, menschliche Äußerungen in Manfreds Chobots Gedichten verpackt, Texte, die ganz bewußt schonungslos Existenz (URKNALL VORWÄRTS UND ZURÜCK) oder Gesellschaft (MILCHMÄDCHENRECHNUNG) wie auch alltägliche Erschwernisse ansprechen; Überlegungen zu Tod (SCHTEAM), (HOFFNUNGSLITANEI) oder Abschieden (DIE NACHT NACH ALLERSEELEN 2005), verleihen die Texte nachdrücklichst Stimme.
Chobot faßt heftig und laut verbal ins Leben, wie um das Erlebte noch einmal durchzugehen.

Die zweite Sorte Gedichte ist zarter, fragiler, vorsichtiger formuliert; es sind Gedichte, die um- und einkreisen, die das Objekt der Auseinandersetzung nicht festmachen, nicht verwandeln wollen (NACHTGEDICHT), (ZWANZIG ZEHENFINGER).

Eine gelungene, für die lyrische Arbeit des Autors exemplarische Zusammenschau!

Petra Ganglbauer

Alfred Gelbmann: Trümmerbruch oder Die Entdeckung des glücklichen Raumes

Kyrene Verlag
Innsbruck-Wien 2012

Anläßlich der jüngsten „Tage der deutschsprachigen Literatur“ in Klagenfurt argumentierte eine der Jurorinnen hinsichtlich des komplexen und dicht gewirkten Textes einer Autorin, indem sie von „Zeitmanagement“ sprach. Aus meiner Sicht ist dieses Wort unzulänglich und absolut unpassend für den Umgang mit Literatur, mehr noch, es ist dem Leistungsgesellschaft-Kontext entnommen und somit Kind eines Geistes, der in keinster Weise künstlerische Wahrnehmung zulässt.

Das vorliegende Buch Alfred Gelbmanns ist so etwas wie die poetische Antwort, das poetische Gegenstück zu obigem Wort. Wie der Titel „Trümmerbruch“ sagt, liegt das Leben des Protagonisten Moser, einem Anstaltshäftling, hinsichtlich der historischen und privaten Vorkommnisse wie seiner innerseelischen Befindlichkeit versprengt da. In der Zelle jedoch entdeckt der Protagonist seinen glücklichen Raum.
Moser, der von der Anstaltsleitung den Auftrag erhält, Niederschriften zu fertigen, will über die Anfänge dieser Niederschriften ganz bewußt nicht hinauskommen, weil, wie er meint, andere diese weiter- und fertigschreiben sollten, etwas, das schließlich der Autor des Buchs, dem die fragmentarischen Seiten der Niederschriften 6 und 6a, nach dem Verschwinden Mosers aus der Zelle, ausgehändigt werden, seinerseits tut.

Alfred Gelbmann setzt den Roman wiederholt, in immer neuen Anläufen und aus unterschiedlichsten Bewußtseinswinkeln, Erzähl-Perspektiven wie auch basierend auf verschiedensten Quellen (vom Intertextuellen bis hin zur Zeitungsmeldung) an.
Diese Schwenks geschehen plötzlich und erwirken dadurch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Erzählten, an dessen „Nahstellen“ man sich sozusagen als Leserin / Leser befindet. Allem voran von Verstörung erzählt dieser Roman, von Vereinsamung und Flucht, von seligen Erinnerungen an Kindheit, von unlebbarer Liebe, von Treue und Isolation, von einer Art totalitärer Ordnung und Entpersonalisierung.
Immer wieder hält der nicht lineare Erzählfluß bei einem bestimmten Objekt (Kupfer, Glashütte…etc.) inne und zoomt es nahe heran, wechselt seinen Duktus, wird bisweilen zum Sachtext. Diese Textstellen verlangsamen uns beim Lesen, sie sind besonders nachdrücklich.

Die vielen Stimmen in diesem Buch sprechen aus unterschiedlichen Zeiten heraus, sie entspringen verschiedensten Orten. Dergestalt wird das Raumzeitgefüge stetig unterwandert!

Das Buch fordert Lesedisziplin, etwas, das es uns, den Lesenden, abzuringen gilt. Es ist spannend auf eine eigene Weise; eine Spannung, die wohl der großen Konsequenz hinsichtlich des Schreibakts entspringt. Und die Lektüre hinterläßt ihr Echo!

Absolute Empfehlung!

Petra Ganglbauer

Klaus Haberl: Auf den Treppen der Erde

lex liszt
Oberwart 2015
cover-haberlKlare, reife, ästhetisch gebaute und zugleich äußerst unprätentiöse Gedichte finden sich in diesem Band, der Themen wie Innenwelt und Außenwelt, Körper oder Schreibprozess in prägnanten Gedichten anreißt, die letztlich seltsame Wendungen nehmen, unerwartete Gedankenkurven. Sie sind es, die diese Texte so geheimnisvoll machen.
Denn nichts ist aus dem (irdischen) Stoff, aus dem es zu bestehen scheint.

Eine eigenwillige, beinahe notwendige Traurigkeit lieget wie ein Flor über dem hier versammelt Geschriebenen. Und wenn man Zeilen wie „Im Innern verliert / die Maschine an Kraft“ oder „Ich brauche die Gewalt / von Orten“ liest, dann ist es, als blicke das ganze Zueinander und Miteinander von Innerseelischem und Weltgeschehen daraus.

Niemals jedoch stellen sich die angesprochenen Themen gewichtig ein; Haberl gelingt es, durch fragile Andeutungen eine große Wirkung zu erzielen.

Ein empfehlenswerter Lyrikband!

Petra Ganglbauer