Erika Kronabitter: Endlich Alles Richtig

Edition Taschenspiel
Verlag beim Augarten, Wien 2015

Lakonisch, bisweilen bewusst frech, in jedem Fall voll Selbstironie gibt sich das neue Buch von Erika Kronabitter, welches die Autorin in thematisch wiederkehrende Module gegliedert hat.

Die (Selbst)erkenntnisse umkreisen das Älterwerden mit seinen Begleiterscheinungen, das Leben und Wohnen, das Reisen, die Architektur, das Beobachten, das Schreiben und das Nichtschreiben; mittels insistierender Schleifen werden diese Themen „aufgezogen“ und mit ihnen auch die Figuren in diesem Buch, etwa die Wohnungsnachbarn der Protagonistin, welche die Autorin lediglich mit ihrem Anfangsbuchstaben namentlich erwähnt, ein Kunstgriff, der sie fernhält, der sie – trotz ihrer individuellen Eigenheiten – schemenhaft erscheinen lässt.
Da gibt es die unfreundliche und arrogante Nachbarin oder den überfreundlichen Nachbarn.
Sie alle werden jedenfalls genauestens beobachtet und auf einen leichtfüßige Art analysiert.

Mitteilsam, lebendig, humorvoll und bunt kommen die Themen in diesem Buch daher, wenngleich es durch seine Ordnung einen straffen Rahmen hat; bisweilen verdichten sich Passagen, indem die Autorin listenartige und serielle Raffungen inmitten des Erzählens vornimmt.

Ein kurzweiliges, konsequent geschriebenes Buch, das auch seinen Unterhaltungswert hat!

Petra Ganglbauer

Friedrich Hahn: Der Setzkasten. Oder: Erwin und die halben Luftballons.

edition keiper
Graz 2015

Merkwürdig und eigenwillig entrückt zeigt sich der Protagonist „Einer“ in diesem skizzenhaften, aufgebrochenen Roman, dessen Form der Innenwelt des Mannes kongenial entspricht.
„Einer“ will, dass nichts zu Ende geht, er lebt abgesetzt von seiner Vergangenheit, die gewissermaßen gelöscht ist und nur punktuell im Kopfkino „Einers“ aufblitzt, etwa als der vermeint, seiner noch blutjungen Mutter zu begegnen. Er setzt sich mit philosophischen Fragen auseinander, hat „Merkprobleme“, unzählige Projekte, verschickt leere Kuverts, „wenn er Mitteilungen zu machen hat“ oder schaut Filmfiguren ihre Verhaltensweisen ab.
Seine mehr oder weniger einzige Bezugsperson ist Gisela, deren kryptisches Vorleben er beinahe bis zum Ende des Romans nicht kennt.

Friedrich Hahn ist es gelungen, mit dieser Figur ein mehrschichtiges Psychogramm anzulegen, welches hinter der Figur des „Einer“ noch Facetten eröffnet, die weit ins Gesellschaftspolitische und Soziale hineinreichen. Er hält die Eigenart des Protagonisten, welche sich auch in seiner Sprachreflexion äußert, profiliert durch – dieser erfährt auch gewisse Wandlungen. Gegen Ende des Romans ergibt sich schließlich eine unerwartete Dynamik, die „Einer“ jedoch wieder ganz „zurückwirft“ auf das Potentielle, Unfertige, Fragliche.
Hahn unternimmt am Ende des Buches noch einen Kunstgriff: Die Druckerschwärze verblasst, der Raum zwischen den Zeilen wird größer. Eine schöne Zusammenschau aus Inhalt und Form!

Ein komplexes, empfehlenswertes Buch!

Petra Ganglbauer