Bernd Schuchter: Föhntage

Braumüller Verlag
Wien 2014

Zart, wie hinter einem Schleier oder einer Glasscheibe, mit pastellener, sensibler und leiser Sprache kommt dieser Roman auf die Lesenden zu. Achtsam geht er mit einer Kindheit in Innsbruck um, jener des jungen Lukas sowie anhand dieser Kindheit mit den beispielgebenden sozialen Konstituenten etwa eines Jahrzehnts zunächst, einer Zeit, in der man im Sommer an die Adria fuhr oder Super8 Familien-Urlaubsfilme drehte bzw. Schillinge in Lire umtauschen musste. Bis hierhin bietet er eine lebendige Identifikationsebene auch für jene, die nicht in Innsbruck sondern anderswo in Österreich zu jener Zeit ihre Kindheit verbrachten.

Zugleich entwirft Bernd Schuchter jedoch ein gesellschaftliches Setting, indem er die Wohn-Architektur jener Zeit, den gesellschaftspolitischen Zugang und insbesondere die Historie des Südtirol Konflikts anhand der Erinnerungen des alten Lahner, den Lukas immer wieder aufsucht und auf Spaziergängen begleitet, aufrollt; und Lukas „hängt“ förmlich „an den Lippen“ des alten Mannes, wenn dieser seine Lebensgeschichte erzählt.

Zudem und der Vollständigkeit halber lernen wir Giuseppe Monte kennen, einen Mann, der sich nicht allzu gerne an seine frühen Jahre als Carabinieri erinnert, die ihn wesentlich als Täter ausmachen; er erfährt jedoch schließlich eine gewisse Läuterung.

Ohne grelle Inszenierungsversuche sowie äußerst authentisch schildert Bernd Schuchter anhand dieser sehr persönlichen Lebensgeschichten politische und gesellschaftliche Zusammenhänge – und der bereits zitierte sanfte Duktus des Romans bewirkt, dass man ihn gerne und mit wirklichem Interesse liest.

Petra Ganglbauer