Ilse Kilic: Warum eigentlich nicht?

Gedichte

Gesetzt und gezeichnet von Armin Guerino

herbstpresse
Wien 2002

coverKLICherbstpresse011Unwillkürlich erinnere ich die Kabbala, wenn ich den jüngsten Gedichtband von Ilse Kilic zur Hand nehme. Die Texte leben vom Rätselhaften: sie sind wie Vexierbilder, Rebus, Zahlenmagie.
Kurzweilig und spannend ist das Buch, weil die Autorin kreuz und quer daherkommt, optisch immer neue Töne anschlägt, sich auf die Materialität von Sprache konzentriert, zerlegt, zerteilt, verteilt. Weil wir ziemlich oft nicht absehen können, was sich da buchstäblich zusammenbraut!
Weil sie Analogien herausarbeitet, dann wieder Bausteine aus- und vertauscht, Neues zusammenfügt. Ja, immer neue Türme baut, um diese Schöpfung sofort wieder in Frage zu stellen, abzutragen, niederzureißen – oder sind es gar keine Buchstabentürme? Ist Sprache Sand? Und wir alle im Sandkasten?
Originelle Zugriffe auf diverse Bildmittel sind das jedenfalls, die sich stets dicht am Raum des Mathematischen bewegen: das Resultat sind „epigrammatische“ Exkurse, geistreiche Elaborate.
Ich mag diese Texte, weil das System dahinter, der Mechanismus oder aber auch das methodische „Geheimnis“ mitzuergründen, mitzudenken sind.

Armin Guerino hat sich zeichnend punktuell auf die numerische Flut eingelassen, in gelungener Korrespondenz: Einzelnes wie Menge werden da angesprochen. Nicht so sehr die Masse!

Aber es sind vor allem auch Gedichte, die gesprochen werden wollen, denn sie leben vom onomatopoetischen Duktus! Wohlan! Lesen wir laut! Warum eigentlich nicht?

Petra Ganglbauer