Paul Divjak: schattenfuge

edition selene
Wien 2002

„bilder, gesehene und noch nicht gesehene vermischen sich“ heißt es an einer Stelle des Buches, an einer anderen „wir befinden uns dazwischen, abermals? noch immer? schon wieder?“

Dergestalt ist dieser Prosaband, dieses Traumtagebuch, dieses Drehbuch angelegt. Im Schwebezustand, jenseits alltäglicher Schwerkraft. Und doch, und dennoch holen uns die Ereignisse ein, Krieg und Körperlichkeit, das Alltägliche. Divjak zieht seine Sprachschleifen jedenfalls so gekonnt, dass ich nicht Gefahr laufe, mir ein Bild zu machen, im Kopf die Ereignisse womöglich zu finalisieren.

Schwenk für Schwenk. Mit der Kamera. Mit den Sätzen. Harte Schnitte.
Dragica taucht auf und weg, real und imaginiert, – Militärfahrzeuge –, und durchgehend jenes plurale Ich, ein Wir, ein Ihr. Das Kollektiv trägt mit. Es ist auch Mittel zur Distanzierung. Dennoch darf es kein Verweilen geben. Nicht in diesen Ereignisräumen.

„… and one day you´ll know where you are“. Aber vielleicht ist das gar nicht intendiert. Vielleicht ist dies alles nur im steten Wechsel der Bilder, der Einstellungen zu ertragen, – auf der Flucht.

Petra Ganglbauer

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