Margret Kreidl: Eine Schwalbe falten

Edition Korrespondenzen
Wien 2009

Von Einsamkeit erzählt dieses Buch, von der Einsamkeit des Kindes wie der erwachsenen Frau. Und von der Strategie des Unbewussten, das Leben erträglich zu machen. Es erzählt auch die Geschichte zweier Schwestern, wobei nicht klar wird, welche welche ist, die beiden spiegeln sich, tauschen einander ab und aus; es stellt sich die Frage, ob es sich bei beiden nicht doch um ein multiples Ich handelt.

Margret Kreidls Buch ist sehr ungewöhnlich: einerseits spricht es die genannten Themen an, andererseits stößt es sich immer wieder davon ab, indem es sich ganz auf die Form (das Regelwerk) besinnt, sich vorhandener sprachlicher Schienen bedient, die Rhythmus und Melodie von Kinderreimen, Zaubersprüchen oder auch Liedern haben. Abzählreime wie Ratespiele reißen uns situativ heraus, immer dann, wenn wir vermuten (!), dass der Schmerz zu groß wird. Denn der Schmerz findet sich wie alles Andere hinter einem Schleier. Ereignisse, Erinnerungen und auch Traumsequenzen muten wattiert an, wie hinter Glas.

Das Eigenartige an diesem Buch ist, dass es bis auf das letzte Wort geschliffen ist und dennoch wie ein Ausloten wirkt. Ein Probieren, Ein Leben probieren, „Sprüche riskieren“. Ein lesenwertes Buch!

Petra Ganglbauer