Eva Jancak: Paula Nebel

www.jancak.at
Wien 2013

Cover Beispielgebend für das Leben so mancher Frau ihrer Generation, muten Leben und letzte Tage im Dasein der Paula Nebel an.
Eva Jancak setzt ihrer Erzählung einen Passus voran, der impliziert, dass es sich inhaltlich dabei lediglich um Ähnlichkeiten mit der Realität handle. Die Figuren sind frei erfunden.

Erinnern wir uns: „Nebel“ ist die buchstäbliche Umkehrung von „Leben“. In beidem ist manches unscharf und gewissermaßen unaussprechlich. Im Leben selbst so manches auf Jahre verschüttet.

Kleinste Alltagsereignisse, Erinnerungen und Begebenheiten lassen die ehemalige Psychologin Paula Nebel noch einmal auf Personen aus ihrem Leben treffen.
Eva Jancak setzt jedoch auch – wie stets in ihrer Arbeit – auf höchst aktuelle gesellschaftspolitische Fakten, wie die Anhebung des Pensionsalters oder auf unausgesetzt aufzuarbeitende Tatsachen, wie die Geschehnisse am Ort des Grauens „Spiegelgrund“. Diese werden mit den kleinen alltagsspezifischen Ereignissen verknüpft.

Ein anregendes, jedoch unaufdringliches und gerade deshalb ansprechendes Buch!

Liesl Ujvary: Ein Schattenprogramm

Mit einem Nachwort von Ann Cotten

mitter verlag
Wels 2013

Wo setzt Fremdbestimmung ein? Wo Manipulation? Fernsteuerung?
Was ist öffentlich, was privat? Wodurch kommt einer (einem) das Recht auf Urheberschaft abhanden? Gemeint ist jene generelle Urheberschaft, die uns zu eigenverantwortlichen Individuen macht!
In ihrem aktuellen Buch kehrt die Autorin bezeichnenderweise typologische Strukturen der uns auferlegten Wirklichkeit hervor, zeigt die damit verbundenen (Neben)wirkungen auf den einzelnen Menschen auf, Wirkungen, die hart an die Grenze der Existenz gehen.
Phänomenlogisch und syntaktisch einmal mehr die Illusion einer Linearität oder auch Kontinuität in der Selbstwahrnehmung wie der Wahrnehmung von Wirklichkeit generell unterminierend, zeigt das Buch zahlreiche Brüche und Löcher, die sich zwischen den Menschen und in jedem von ihnen auftun: der Mensch registriert seine körperlichen und emotionalen Irritationen, beschreibt sie akribisch einer Maschine gleich, einen – vor einiger Zeit noch vorhandenen – eingebildeten Überblick über das Leben gibt es längst nicht mehr; jeder Satz, jeder Gedanke, jeder Ausspruch fällt – abgesondert von den übrigen – in einen Abgrund, der sich zwischen den Menschen, in der Sprache selbst also der Welt auftut. Fragmentierung.
Dies unterstreicht die different, nämlich handschriftlich gestaltete jeweils rechte Buchseite.
Die in diesem Buch angelegte Wahrnehmung lässt sich auf diese unsere sich selbst überholende Gesellschaft übertragen, deren Individuen bereits längst ihr induziertes Parallelleben führen!
Ein wichtiges Buch auf der Höhe der Zeit und darüber hinaus!

Petra Ganglbauer

Gertrude Maria Grossegger / Günter Egger: GRASFISCHEN TRAVOLOVKE

TEXTE UND BILDER

Bibliothek der Provinz
Weitra 2013

„Rückgebunden“ an den Raum der Musik vollzieht Gertrude Maria Grossegger poetische Setzungen und Markierungen in ihrem neuen Lyrikzyklus, indem dieser aus 13 Sätzen gebaut ist. Die knappen, aufgeladenen und zugleich durch die ihnen immanente Leere weithin schwingenden Sequenzen kreisen um (Garten)mystik und Innerseelisches, um Schmerz, der den Wesenheiten implementiert ist ebenso wie um Beziehungsfelder.
Die Sprache mutet mitunter wie Geflüster an, rhythmisierte, gewisperte Wirklichkeit, die an den Rändern von Sein und Nicht-Sein gesprochen wird. Manche der Verszeilen bestehen aus lediglich ein, zwei Worten – gerade dies macht die Textur so fragil, als ob sie ziseliert wäre oder als ob sie das Leben in seiner ganzen Verletzlichkeit spiegle.
Das Vegetabile zieht sich durch den Zyklus wie das Meer es tut – und auch der Stein verkörpert das ganze Gewicht des Lebens in diesem durch ausnehmend stimmige, weil nicht abbildende Bilder von Günter Egger ergänzte Werk.
Empfehlenswert!

Petra Ganglbauer

Elffriede: aufzeichnensysteme schrei zum hummel

eine art buch

Klever Verlag
Wien 2013

schrei zum hummelDie gesammelten Notizen, Skizzen, Fotos und Abbildungen, Listen, Gedichte, Notate wurzeln im Aufzeichnen und beseelen die Dinge des Alltags und des Lebens generell – sie werden zu „exerzitien“, zu „ingredienzien“ – das vorliegende Buch ist Extrakt eines unausgesetzten Rituals.

Da finden sich Spickzettel mit Überschreibungen, Fehldrucke, Serielles, Rechnungen etwa – wir hätten also Bild und Schrift! Aber die Künstlerin und Autorin erweitert ihre Arbeit um noch eine Dimension: wir hören (!) die Schrift, vielmehr den Schreibvorgang samt Werkzeug: die „feder“ „knackt“ oder „quietscht“ heißt es da. Diese Anmerkungen erinnern an Regieanweisungen. Damit hätten wir also gleich noch eine Gattung!

Die Form-, Gattungs- oder auch Material-Ansätze verschränken und überlappen sich, sie werden zu einem offenen System, zu einem oszillierenden Stück Schreibforschung!

Petra Ganglbauer