Liesl Ujvary: Ein Schattenprogramm

Mit einem Nachwort von Ann Cotten

mitter verlag
Wels 2013

Wo setzt Fremdbestimmung ein? Wo Manipulation? Fernsteuerung?
Was ist öffentlich, was privat? Wodurch kommt einer (einem) das Recht auf Urheberschaft abhanden? Gemeint ist jene generelle Urheberschaft, die uns zu eigenverantwortlichen Individuen macht!
In ihrem aktuellen Buch kehrt die Autorin bezeichnenderweise typologische Strukturen der uns auferlegten Wirklichkeit hervor, zeigt die damit verbundenen (Neben)wirkungen auf den einzelnen Menschen auf, Wirkungen, die hart an die Grenze der Existenz gehen.
Phänomenlogisch und syntaktisch einmal mehr die Illusion einer Linearität oder auch Kontinuität in der Selbstwahrnehmung wie der Wahrnehmung von Wirklichkeit generell unterminierend, zeigt das Buch zahlreiche Brüche und Löcher, die sich zwischen den Menschen und in jedem von ihnen auftun: der Mensch registriert seine körperlichen und emotionalen Irritationen, beschreibt sie akribisch einer Maschine gleich, einen – vor einiger Zeit noch vorhandenen – eingebildeten Überblick über das Leben gibt es längst nicht mehr; jeder Satz, jeder Gedanke, jeder Ausspruch fällt – abgesondert von den übrigen – in einen Abgrund, der sich zwischen den Menschen, in der Sprache selbst also der Welt auftut. Fragmentierung.
Dies unterstreicht die different, nämlich handschriftlich gestaltete jeweils rechte Buchseite.
Die in diesem Buch angelegte Wahrnehmung lässt sich auf diese unsere sich selbst überholende Gesellschaft übertragen, deren Individuen bereits längst ihr induziertes Parallelleben führen!
Ein wichtiges Buch auf der Höhe der Zeit und darüber hinaus!

Petra Ganglbauer