Dieter Sperl: Absichtslos

Roman

Ritter Verlag
Klagenfurt-Wien 2008

Ignoranz ist eine Waffe, weil jener, der sich ihrer bedient, ganz bei sich bleibt und sich nicht auf das Energieniveau des Gegners begibt, der ihn herausfordern möchte:

Dieter Sperls Buch ist in diesem Sinne eine Waffe. Es ist äußerst radikal angelegt, weil es all jene Paradigmata unterwandert bzw. ignoriert, die unsere Gesellschaft(s-schreibung) ausmachen.
Ganz in den Nischen, entlang feinster inhaltlicher Ränder bewegt sich das Buch. Sperl schreibt Lücken. Er verlangsamt: Seine Roman ist in jener Tradition zu sehen, die die traditionellen opulenten, ausufernden Romankreationen durchquert. Es gibt keinerlei Spannungsaufbau, geschweige denn Spannungshöhepunkte in diesem Buch. Die Sprache fließt dahin, leise, langsam. Gleichförmig. Als ob alles und jedes, das Leben wie die Sprache selbst, gleichgültig wäre.

Die schreckenerregensten Dinge des Lebens werden von den Protagonisten in Nebensätzen erzählt. Sperl legt seine Figuren in Beiseln und Lokalen an. Lässt sie thematisch um Kulinarisches und anderes kreisen, währenddessen das Grauen, die Einsamkeit, die Angst ganz nebenbei erwähnt werden.

Nicht zu übersehen die spirituellen Bezüge, die der Autor sparsam einsetzt und im Text inhaltlich so geschickt verankert, dass sie nicht anzuzweifeln sind.

Ein wichtiges Buch!

Petra Ganglbauer