Ingrid Zebinger-Jacobi: Ich lege mein Herz

Kurzgeschichten

edition keiper
Graz 2019

Ich-lege-mein-Herz

Auf eine höchst unprätentiöse und zugleich sensible Weise sind die Kurzgeschichten im vorliegenden Band gebaut. Die Verschränkung aus Schlichtheit und einem ebenso geheimnisvollen wie selbstverständlichen Übergang von der Tagesrealität zur Imagination machen Ingrid Zebinger-Jacobis Buch „Ich lege mein Herz“ zu etwas Besonderem.

Stets unternimmt die Autorin seelische Tiefgänge, Jacobi spricht vom Leben, von unmöglicher, möglicher oder auch imaginierter Liebe oder auch deren Gegenteil – jedoch sie doziert nicht, sie trägt nicht dick auf, sie deutet vielmehr an, setzt raffinierte und pointierte Wendungen ein und lässt die Sprache atmen.

Aus einer liebevollen Zartheit sind diese Geschichten gebaut: „Als du ganz neu warst und unversehrt und die Welt noch aus knallbunten Spielsachen bestanden hat…“

Und etwas weiter im Text: „Dann kam ein Wind auf, blies dich ins Älterwerden, in die Schule und morgendliche Müdigkeit und das Füßestampfen…“

Satzbauspezifika bereichern die Texte, etwa Wortnachstellungen beispielsweise in „Metamorphose“: „…war sie an mir vorübergefahren, die Zeit, hatte mein Leben weit hinter sich gelassen…“

Präzise und zugleich seltsame Bilder verstärken die Wirkung der Texte: „…mein Kreuz schmerzte, mein alter Rücken.“, „…über mir sprang ein Eichhörnchen herum und besah mich wie ein Stück Fleisch.“

Repetitionen verstärken den Nachdruck: „Sie schob es weg, wie immer. Atmete die kühle Luft, schwitzte. Schob es weg.“

Ansprechend ist auch der Titel dieses Buchs, der der Kurzgeschichte „Italienische Reisen“ entnommen ist.

Ein gelungenes Buch!

Petra Ganglbauer

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