Sabine Gruber: Die Zumutung

Roman

dtv (Taschenbuch), Verlag C.H.Beck (geb.)
München 2003

Ebenso unprätentiös wie gekonnt verfährt Sabine Gruber im vorliegenden Roman. Die Zeiten werden gewechselt, die Perspektiven; Personen mit ihren Lebensinszenierungen kommen vor, und doch und dennoch zieht sich ein thematischer Faden wie ein dickes Seil durch das Buch. Wir können ihn nicht abschütteln.

Neben Interaktionen, Beziehungen, etwa zwischen der Ich-Erzählerin und Männern wie Paul, Leo oder Beppe, artikuliert sich gleichsam vehement und unausgesetzt laut die Auseinandersetzung zwischen der Ich-Erzählerin und ihrem Körper. Er ruft sich in Erinnerung, setzt Zeichen, wird unüberseh- und hörbar. Was einem gesunden Menschen selbstverständliches Vehikel, wird für die Ich-Erzählerin Hürde und Widerstand.

Auf subtile und zugleich beinahe haptische Art flicht die Autorin dieses Thema ein, lässt es unumgänglich werden; die körperliche Befindlichkeit wird nachempfindbar, spürbar; aber niemals aus einem Gestus des Selbstmitleids heraus. Im Gegenteil. Es ist, als ob das körperliche Geschehen zunächst erfahren und sogleich aber durch die Sprache auf Distanz gebracht wird.

Was Gruber auch noch gelingt, ist eine Spannung aufrechtzuerhalten. Eine Spannung, die sich aus dem raffinierten Gestus des Aufbaus des Romans ergibt und ihn dennoch bis zum Ende als sensibles Unterfangen belässt.

Petra Ganglbauer

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