Valerie Fritsch: Die Welt ist meine Innerei

Reisebriefe und Bilder

Septime Verlag
Wien 2013

Wenn man die Autorin auf der Lesebühne erlebt, ruft man sich einen Film von Wim Wenders in Erinnerung: „Bis ans Ende der Welt“ und gelangt geradewegs in die Traumzeit der australischen Aborigines. Die Filmmusik müsste dann allerdings von Soap&Skin (wie Fritsch eine junge Grazerin) sein. Ich höre gerade ihr „Voyage Voyage“ und darin liegt dieselbe jugendliche Wehmut, die man in den überlangen Pausen der Autorin zwischen den Zeilen zu spüren glaubt.

Die Lesung hat mich umso neugieriger auf das Buch gemacht, scheint diese junge Reisende sich doch auf jenen Wegen bewegt zu haben, die ich selbst 30 Jahre zuvor vorausgegangen bin (und immer noch bereise). Als Fritsch geboren wurde, hatte ich Graz schon verlassen. Zwar haben sich unsere Pfade nie gekreuzt, aber alle Orte sind irgendwie austauschbar, topografisch nicht von Bedeutung. Das sind vielmehr die Gefühle der Reisenden, vor allem jene Sehnsucht nach dem fernen Geliebten. Denn ihm schreibt sie diese Reisebriefe.

Das Buch ist kein Reiseführer, sondern ein literarischer Text, den 80 Fotografien illustrieren, die Fritsch auf ihren Fahrten aufgenommen hat. Man könnte auch sagen, sie hätte diese Bilder zu sich genommen, mehr oder weniger verdaut, in ihre Innerei.

Diese Welt in ihr hat sich durch das Herausschreiben in jene Worte geformt, die ein Buch ergeben, das der ebenso junge wie engagierte Septime Verlag einen Roman nennt. Was auch immer die passende Schublade sein mag, es ist ein schönes Buch geworden, für das dem Verlag und der Autorin zu danken ist.

Gerald Ganglbauer

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