Nils Jensen: Podium Porträt 30

Gedichte
Hrsg.: Hannes Vyoral

Podium
Wien 2007

Nils Jensen © Podium

Eine achtsam zusammen-gestellte Sammlung von Gedichten aus vielen Jahren findet sich in diesem Band, der mit einem ebenso empatischen wie emphatischen Vorwort von Hannes Vyoral ausgestattet ist.

Die Gedichte des Autors weisen, obgleich stilistisch ebenso gekonnt wie bewußt unprätentiös, jene große Gefühlsskala auf, die von Entschiedenheit, Widerständigkeit bis hin zu Melancholie oder innerseelischer Schwere reicht. Facettenreich wie das Leben selbst sind diese Gedichte, die innergesellschaftliche Realität nie außer Acht lassend.

Jensen ruft uns auf, unsere Träume nach vorne auszurichten, den gefährlichen (!)Blick zurück mit aller Kraft zu vermeiden!

Das lyrische Ich ist und bleibt in Bewegung, wandernd, sinnierend, schreibend.
Und über allem liegt – jenseits intensiver Gefühle – eine spürbare Leichtigkeit und Fragilität, die vor allem auch stilistisch transparent wird.

Ein lesenswerter Band, der aufrüttelt und zugleich Freude bereitet.

Petra Ganglbauer

Günter Vallaster: ICH TASTE

edition zeitzoo
Wien 2008

Die Umkehrung von Subjekt und Objekt, dieser Abtausch, dieses Ineinanderkippen des Beobachters mit dem beobachteten Gegenstand, die Beseelung von allem, die Mystifizierung von allem, die Spiritualisierung von allem, das sind Wirklichkeitsfacetten, die der Autor auf dieser CD aufzeigt. Einmal zirkulär, (meist), dann wieder linear, immer jedoch architektonisch gebaut, aus kühlem Gestus, poetischem Kalkül: Schlanke beeindruckende Texte sind das, kontemplativ, auch was die Vortragsweise des Autors betrifft.

Organisch ist vor allem auch der 1. Text, landfall, irgendwann ändern sich darin die kompositorische Ausrichtung, die Perspektive, der Rhythmus, Vallaster kommt zur Sprache selbst oder besser: sie kommt zu sich.
Sowohl im ersten als auch im zweiten Text ( ich taste ) wird evident, dass der Mensch Teil von einem großen Ganzen ist, darin aufgeht, davon aufgegriffen wird. Auch wenn es im 2. Text ein Ich gibt, wandelt dieses doch wie in Trance durch die Landschaft aus Industrieanlagen und Cyberspace. Ich könnte auch sagen aus Innenenkopfrealität und Wald.

Wundersame, heute schon selten gewordene Texte sind das, empfehlenswert!

Petra Ganglbauer

Dieter Sperl: Absichtslos

Roman

Ritter Verlag
Klagenfurt-Wien 2008

Ignoranz ist eine Waffe, weil jener, der sich ihrer bedient, ganz bei sich bleibt und sich nicht auf das Energieniveau des Gegners begibt, der ihn herausfordern möchte:

Dieter Sperls Buch ist in diesem Sinne eine Waffe. Es ist äußerst radikal angelegt, weil es all jene Paradigmata unterwandert bzw. ignoriert, die unsere Gesellschaft(s-schreibung) ausmachen.
Ganz in den Nischen, entlang feinster inhaltlicher Ränder bewegt sich das Buch. Sperl schreibt Lücken. Er verlangsamt: Seine Roman ist in jener Tradition zu sehen, die die traditionellen opulenten, ausufernden Romankreationen durchquert. Es gibt keinerlei Spannungsaufbau, geschweige denn Spannungshöhepunkte in diesem Buch. Die Sprache fließt dahin, leise, langsam. Gleichförmig. Als ob alles und jedes, das Leben wie die Sprache selbst, gleichgültig wäre.

Die schreckenerregensten Dinge des Lebens werden von den Protagonisten in Nebensätzen erzählt. Sperl legt seine Figuren in Beiseln und Lokalen an. Lässt sie thematisch um Kulinarisches und anderes kreisen, währenddessen das Grauen, die Einsamkeit, die Angst ganz nebenbei erwähnt werden.

Nicht zu übersehen die spirituellen Bezüge, die der Autor sparsam einsetzt und im Text inhaltlich so geschickt verankert, dass sie nicht anzuzweifeln sind.

Ein wichtiges Buch!

Petra Ganglbauer

Nikolaus Scheibner: auf der hand

herbstpresse
Wien 2006

Cover leider nicht vorhanden (Foto des Autors © Ritter)

Nikolaus Scheibner spielt vieles (fast alles) durch, was Sprache ist, sein kann und impliziert.

Diese Texte sind in der Tat Artefakte, poetisch, jedoch immer wieder kongenial trashig angelegt, ganz auf der Höhe der Zeit, als ob der Autor mit der Sprache oder nein, mit dem Leben, nicht nur sprachspielerisch umgehen, sondern auch diesen ganzen Wirklichkeitsmüll mitsprechen lassen wollte. Als wollte er Poesie und Existenzmüll verschränken.

Er führt Material aus unterschiedlichsten Kontexten (Zeiten, Orten) zusammen, um mittels immer neuer formaler Anläufe, diese ganz vertraute (Sprach)Wirklichkeit aus ihren Fugen zu reißen, kippen, brechen, unterminieren.

Ja, es ist, als wäre das ganze Buch eine einzige brennende Unterminierung von jenem müden Sprachgebrauch, dem wir alle mitunter anheim fallen.
Als wäre es ein zynischer Weckruf!
Ein poetischer Wächter!

Sehr lesenswert!

Petra Ganglbauer

Magdalena Knapp-Menzel: ich spreche nicht

deutsch-japanisch
Manabe Anton: Satz, Nachdichtung, Holzschnitte

herbstpresse
Wien 2007

Es fällt schwer, während der Lektüre dieses Buchs die exzellente Interpretation der Autorin selbst nicht in Ohr und Auge zu behalten. Tatsächlich spricht sie bei jedem geschriebenen Wort, jedem Staccato, jeder rhythmischen Konsequenz mit, wenn ich in diesem Buch lese.
Widerständig, scharf wie eine geschliffene Klinge muten diese Textsequenzen an, die Autorin zerteilt, zerschneidet, legt offen und frei, was sich an Zutaten in der Sprache verbirgt.
Sie zerkleinert und zerklaubt derart, dass neue verblüffende Sinnzusammenhänge entstehen, die ganz nahe an den Ursprüngen der Sprache, ja, auch nahe an dem, was vor der Sprache liegt – das Schweigen? – angesiedelt sind. Da rennt sich ein aufmüpfiges lyrisches Subjekt den Kopf an: wieder und wieder. Kopf gegen Wand. Gegen Welt. Und noch einmal.
Hin und wieder gibt es kreisende, runde Stellen in den Textabschnitten, dann wieder Zäsuren, hart und irrwitzig.

Kongenial die Holzschnitte (Satz, Nachdichtung) von Anton Manabe.
Ein empfehlenswertes Buch!

Petra Ganglbauer